Unterwegs

Im blauen Fenster – Eisige Erfrischung mit Streuseln

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{Dieser Beitrag enthält unbezahlte Werbung} Endlich wieder Eis in St. Arnual. Der dörflichste Stadtteil Saarbrückens hätte fast einen Sommer ohne auskommen müssen. Aber wegen der Pandemie musste das Café „Im blauen Fenster“ sein ursprüngliches Konzept noch einmal überdenken.

Meine Augen glänzten, als es bei einem der letzten Posts vom „Fenster“, wie Inhaber Sebastian Becker es liebevoll nennt, hieß: „Eis, Eis, Baby! Wir sind unter die Eisdealer gegangen.“ Meine Freude ist riesig. Nun muss ich nicht immer bis nach Dillingen zu meinem Eisdealer des Vertrauens namens „Vulcano“ düsen, sondern bin in etwa zehn Gehminuten bei meiner eisigen Erfrischung. Ein echter Zugewinn für meinen allerliebsten Stadtteil.

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Das sehe anscheinend nicht nur ich so. Während meines Besuchs „Im blauen Fenster“ kommt Timea Schmeer, die gute Seele des Cafés, fast nicht hinterher mit dem Befüllen der unzähligen Eistüten. Bei diesen Temperaturen und angesichts der Sommerferien kein Wunder. Egal ob junge Mädels, Familien oder Mitarbeiterinnen der Apotheke um die Ecke, alle freuen sich riesig, sobald ihnen ihr Eis über die Theke gereicht wird.

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Timea Schmeer empfängt jeden Gast mit einem Lächeln.

Ich probiere mich währenddessen durch das Kaffeeangebot und mache es mir auf einer Bank gemütlich. Wer jetzt denkt, ich sitze auf einer gewöhnlichen Bank, der liegt so was von daneben. Denn diese hier ist in die Wand eingelassen und wurde mit viel Liebe zum Detail von Timea Schmeer gebaut, die eigentlich gelernte Schreinerin ist. Hinter der Sitzfläche befindet sich ein Upcycling-Kunstwerk in Form einer Collage in Blau-, Weiß- und Schwarztönen, das eine Frau beim Kaffeetrinken zeigt. Also tue ich es ihr gleich und probiere zuerst eine Spezialität namens „Affogato“ – ein Espresso mit einer Kugel weißem Espresso-Eis. Passender geht‘s nicht! Die Bohnen für alle Sorten kommen übrigens aus der ältesten Kaffeerösterei Saarbrückens: „Die Kaffeebohne“.

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Upcycling-Kunstwerk von Thorben Sand aus Kaffeetüten der Kaffeerösterei „Die Kaffeebohne“.

Neben den Klassikern wie Cappuccino, Eiskaffee oder Latte macchiato gibt es auch einen Punkt auf der Karte, der nicht jedem direkt bekannt vorkommen mag – „Cold Drip“. Sebastian Becker erklärt mir, dass man diese Kaffeespezialität auch als „Cold Brew“ kennt. Ein Kaffee, der nicht heiß aufgebrüht wird, sondern kalt durch das Kaffeemehl tröpfelt. So entsteht ein besonders intensiver und säurearmer Kaffee. Die Säure und Bitterstoffe werden für gewöhnlich nämlich erst durch Hitze und Druck gelöst. Diesen kalten Kaffee trinkt man natürlich nicht pur – er wird mit Milch aufgefüllt. Allein Timea bei der Zubereitung über die Schulter zu schauen, lässt mich vor Vorfreude aufs Probieren fast platzen. Ich schieße ein Foto nach dem anderen. Der Moment, wenn Milch und Kaffee aufeinandertreffen, muss einfach festgehalten werden.

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Danach wird endlich probiert. Ich bin begeistert vom Geschmack und würde den Kaffee am liebsten direkt austrinken und den nächsten bestellen. Wer mich kennt, wird jetzt denken: Kathi, bitte nicht zu viel Kaffee! Da ich so selten welchen trinke, bin ich danach immer etwas aufgedreht und kann abends nur schwer einschlafen. Aber für einen „Cold Drip“ nehme ich diese Nebenwirkung gern in Kauf. So lecker – den muss man probieren! Beckers Empfehlung: „Man kann sich den ‚Cold Drip‘ aber auch mit Tonic Water mischen lassen. Das ergibt eine tolle Sommerlimonade.“ Die kann man jetzt auch auf den Sonnenliegen vorm „Fenster“ genießen.

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Timea Schmeer und Sebastian Becker sind schon jahrelang befreundet und haben sich den Traum eines ge­meinsamen Cafés erfüllt

Aber nicht nur durch diverse Kaffeekreationen kann man sich hier probieren. Dort wo man früher leckeren Kuchen essen oder mit einem tollen Frühstück in den Tag starten konnte, findet man jetzt, wie schon erwähnt, eine eiskalte Abkühlung. Das Eis wird aber nicht vom „Im blauen Fenster“-Team selbst produziert, sondern von „Gusto Eiskultur“ am St. Johanner Markt in Saarbrücken. Im „Fenster“ gibt es jeweils immer acht Eissorten, die bunt durchgemischt werden. „Der absolute Renner“, sagt Sebastian Becker, „war die Sorte Erdnuss-Salzkaramell.“ Aber auch Klassiker wie Erdbeere oder Stracciatella werden angeboten. Pro Kugel bezahlt man zwar stolze 1,50 Euro, bekommt aber dafür höchste Qualität und superleckeren Geschmack. Denn „Gusto Eiskultur“ legt hohen Wert darauf, dass das Eis zu 100 Prozent natürlich, ohne künstliche Zusatzstoffe, Aromen, Farbstoffe oder Geschmacksverstärker ist. Einige der Eissorten sind sogar von Haus aus vegan wie zum Beispiel Apfel-Holunder, Limette-Minze oder Mango. Genau diese Sorten habe ich mir für meinen Eisbecher ausgesucht. Dazu gibt‘s frische Beeren und Aprikosenspalten. Wie es sich für ein kleines, supercooles St. Arnualer Café gehört, wird die Eisauswahl von hausgemachten Toppings ergänzt, wie zum Beispiel Schoko-, Kokos-Limetten- oder Butterstreusel.

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Als ich Schokostreusel höre, habe ich direkt meine Lieblingsstreusel aus dem letzten Hollandurlaub im Kopf. Aber falsch gedacht: Hierbei handelt es sich um solche, wie man sie auch auf einem Streuselkuchen findet. Da die Streusel auch vegan sind, lassen sie sich super aufbewahren und bleiben lange frisch. Unter anderem ist das ein Punkt, der dem kleinen Café nach den vergangenen schweren Monaten hilft, finanziell wieder auf die Beine zu kommen. Die Mietkosten zahlen sich schließlich nicht von allein. „Durch die Umstellung auf Selbstbedienung konnten wir schon viele wichtige Kostenpunkte minimieren“, erzählt Timea Schmeer. Die vergangenen Monate sind nicht spurlos an ihr vorbeigegangen. Ihr fiel es schwer, vom ursprünglichen Café-Konzept abzukommen. Sie war aber dennoch voller Tatendrang und wollte unbedingt wieder durchstarten. Zum Glück hatte ihr seit Jahren guter Freund Sebastian Becker schon ein Ass beziehungsweise ein Eis im Ärmel. Becker bringt es auf den Punkt: „Was gibt es Schöneres, als mit einem Eisbecher in der Hand durch die alten, verwunschenen Gassen dieses vergessenen Stadtteils zu wandeln.“

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Die dunklen Eistüten sind mit Aktivkohle gefärbt.

Apropos Eisbecher, natürlich gibt es „Im blauen Fenster“ auch Eistüten. Neben den üblichen Eistüten werden auch schwarze Eistüten, die mit Aktivkohle gefärbt sind, angeboten. Der perfekte Kontrast zu den farbenfrohen Eiskugeln. Ein richtiger Hingucker.
Zurück zu meinem Eisbecher und den leckeren Streuseln. Habe ich schon erwähnt, dass ich Kuchen- oder Keksstreusel in Kombination mit Eis liebe? Mein fruchtiger Becher mit Streuseln ist daher genau die richtige Wahl. Jede Sorte für sich ist so lecker und erfrischend – mehr davon! Neben den selbst kreierten Eisbechern gibt es mittlerweile sogar schon einen fest etablierten Becher, und zwar einen, der förmlich nach Griechenlandurlaub ruft. Hierbei besteht die Eiscreme aus griechischem Joghurt, dazu gibt es karamellisierte Walnüsse, Berghonig, Aprikosen, Pfirsich und Sahne. Klingt so gut, dass ich ihn beim nächsten Besuch unbedingt probieren muss. Hier wird der Sommerurlaub einfach in den Eisbecher gezaubert.

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Die „Zimtis“ werden jetzt auch mit einer Kugel Eis angeboten.

Was aber auch ziemlich gut mit Eis schmeckt, sind die „legendären Zimtis“, die es schon seit der Eröffnung im vergangenen Jahr gibt. Und das während der coronabedingten Schließung der Gastronomiebetriebe sogar zum Vorbestellen. Das konnte man nicht schnell genug machen, denn in Lichtgeschwindigkeit waren die leckeren Zimtschnecken ausverkauft. Vollkommen nachvollziehbar, denn das Frosting obendrauf ist einfach zum Dahinschmelzen gut. Die „Zimtis“ kann man natürlich trotz Konzeptänderung immer noch kaufen – auch in veganer Version. Beide Varianten kosten pro Schnecke 2,80 Euro.

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„‚Im blauen Fenster‘ soll niemand benachteiligt werden, der auf sich und seine Umwelt achtet“, erklärt Timea Schmeer. Und weil die Zimtschnecken mittlerweile zum Markenzeichen des Cafés geworden sind, kann man diese jetzt auch lauwarm zusammen mit einer Kugel Eis genießen. „Und eventuell gibt es sogar bald noch etwas in der Eistheke, das mit Zimt und Schneckchen zu tun hat“, verrät mir Sebastian Becker zum Abschluss. Wenn es das ist, was ich denke, wird mich das Team von „Im blauen Fenster“ so schnell nicht mehr los. Ich freu‘ mich drauf!

Im blauen Fenster
St. Arnualer Markt 6
66119 Saarbrücken
Telefon 0681-68655592
www.imblauenfenster.de
Öffnungszeiten: Mo. bis Do. 13 bis 20 Uhr, Fr. bis So. 13 bis 21 Uhr

 

Die Printversion gibts in FORUM-Ausgabe 34/2020 – und auf der FORUM-Website.