Unterwegs

Oldenburger Hof – Regionalität aus Tradition

{Dieser Beitrag enthält Werbung} Die Geschichte des „Oldenburger Hofs“ reicht bis zum Ende des 18. Jahrhunderts zurück, bereits vor fast 220 Jahren gab es hier eine Gastwirtschaft. Heute betreiben Charlotte und Jochen Schneider den Landgasthof.

Als ich den Gastraum des „Oldenburger Hofs“ betrete, habe ich für einen Moment das Gefühl, falsch abgebogen zu sein. Statt in Selbach nahe dem Bostalsee fühle ich mich für einen Moment in ein gemütliches englisches Cottage versetzt. Warme Beige- und Cremetöne treffen auf dunkle Holzdielen, gepolsterte Sitznischen laden zum Verweilen ein. Nichts wirkt aufdringlich – eher so, als hätte jemand sein Wohnzimmer besonders liebevoll für Gäste hergerichtet. Charlotte und Jochen Schneider haben aus dem bereits in zehnter Generation geführten Landgasthof einen ganz besonderen Ort zum Wohlfühlen geschaffen.

Gemütlicher Gastraum des Oldenburger Hofs
Der Gastraum wirkt mit seinen warmen Tönen sehr gemütlich und erinnert an ein englisches Cottage

Der Name „Oldenburger Hof“ reicht zurück bis ins Jahr 1816. Damals gehörte das Nahegebiet zum Herzogtum Oldenburg. Der frühere „Gasthof Schneiter“ war eine Post- und Pferdewechselstation, an der Reisende mit ihren Pferden Halt machten. Um die Verbindung zu pflegen, wurde der Name „Oldenburger Hof“ gewählt – und blieb bis heute bestehen.

Seit 2010 führt das Ehepaar nach reiflichen Überlegungen und vielen Gesprächen mit den Eltern von Jochen Schneider den heutigen „Oldenburger Hof“. Seine Eltern gaben den Gastronomiebetrieb zwar nur ungern ab, aber schließlich, als das erste Kind des Inhaberpaars auf dem Weg war, machten die damaligen Betreiber den Weg für die nächste Generation frei.

Die ersten Jahre nach der Übernahme waren geprägt von Umbauten, familiären Spannungen und wirtschaftlichem Druck. Als Jochen Schneider neun Monate nach der Geburt seines Sohnes krankheitsbedingt für mehrere Monate ausfiel, stand seine Frau Charlotte plötzlich allein im Restaurant und war auf die Unterstützung ihrer Familie angewiesen. Ihr Sohn saß damals oft im Schlafsack in der Küche, während sie zwischen Herd und Gästen pendelte. „Wir sind gleich fertig“, sagte sie ihm immer wieder. Heute nennt sie sich selbst scherzhaft die „Meisterin der Vertröstung“. Heute packen auch die beiden Kinder der Schneiders regelmäßig mit an. Ob sie eines Tages die elfte Generation im „Oldenburger Hof“ werden, bleibt ihnen selbst überlassen.

Jochen und Charlotte Schneider haben den „Oldenburger Hof“ von Jochens Eltern übernommen und führen den Familienbetrieb in zehnter Generation | Fotocredit: Privat

Jochen Schneider selbst ging diesen Weg allerdings nie ganz freiwillig. Nach der Schule wusste er zunächst nicht, wohin sein Weg führen sollte. Auf Wunsch seines Vaters absolvierte er eine Kochausbildung in Bliesen beim Vater des heutigen Sternekochs Alexander Kunz. Bis dahin war er beim Essen äußerst wählerisch: „Mein Mann aß damals nicht mal Nudeln“, erzählt Charlotte Schneider. Erst während der Ausbildung lernte er, Lebensmittel wirklich zu schmecken. Später lebte und arbeitete er unter anderem in den USA, auf Mallorca, am Tegernsee und beim heutigen Starkoch Juan Amador im „Schlosshotel Weyberhöfe“ – zu dieser Zeit stand Amador dort noch am Anfang seiner Karriere.
Seine Frau Charlotte lernte er kennen, als er einen beruflichen Zwischenstopp in Kehl am Rhein einlegte. Dort arbeiteten beide gemeinsam in der Küche. Charlotte Schneider absolvierte genau wie ihr Mann eine Ausbildung zur Köchin. Ihre Karriere begann im Dachgarten-Restaurant von „Käfer“ in der Kuppel des Reichstagsgebäudes in Berlin. Dort lernte sie enorm viel über die Bereiche Frühstück und Catering. Was sich auszahlte, denn als eine der besten Absolventinnen bekam sie ein Stipendium, das mit 5.000 Euro dotiert war, um sich weiterzubilden. Leider hatte sie nie die Chance, dieses Geld final abzurufen, denn die Betriebe, bei denen sie nach ihrer Ausbildung angestellt war, haben sie für diese Termine nie freigestellt. „Ich hatte wirklich Pech, denn ich war immer für Posten eingeteilt, die von keinen weiteren Personen besetzt waren“, berichtet die 42-jährige Inhaberin.

Oldenburger Hof Selbach Außenansicht

Schon als Zehnjährige war es ihr großer Traum, eines Tages in einer Küche arbeiten zu dürfen. „Statt Klamotten hatte ich Fleischwölfe und Nudelmaschinen in meinem Kleiderschrank“, erklärt Charlotte Schneider. Auch sie durchlief verschiedene Stationen in ihrer Karriere, und auch sie verschlug es an den Tegernsee. Erst danach, in Kehl, als Jochen und Charlotte Schneider sich während der Arbeit in der „Villa Schmidt“ kennenlernten, eröffneten sich andere Wege.

„Wir ergänzen uns und sind ein starkes Team“

Jochen Schneider machte es seiner heutigen Frau allerdings nicht einfach. „Ich hatte gar keine Chancen, ihn zu mögen, denn ich wurde keines Blickes gewürdigt“, scherzt Charlotte Schneider. Irgendwann wurde aus beruflicher Zusammenarbeit ein Team – und schließlich eine Partnerschaft, die bis heute trägt. „Wir ergänzen uns extrem und sind ein starkes Team“, erzählt die Inhaberin. Jochen Schneiders Hoheitsgebiet ist die Küche. Er steht nur ungern im Vordergrund. Daher war schnell klar, wenn sie den „Oldenburger Hof“ übernehmen sollten, würde Charlotte Schneider vorrangig den Service leiten. Das macht sie wirklich mit Leidenschaft und Hingabe, denn Serviceluft hat sie nebenbei immer schon geschnuppert.

Tradition und Gastfreundschaft im Oldenburger Hof

Während wir unsere Vorspeisen genießen, füllt sich an einem Sonntagmittag stetig der Gastraum, und der Großteil der Gäste wird wie selbstverständlich von Charlotte Schneider herzlich und mit Namen begrüßt. So kennt sie scheinbar zu jedem Tisch eine Geschichte. Dort sitzt ein Paar, dessen erstes Date im „Oldenburger Hof“ stattfand. An einem anderen Tisch feiert eine Familie regelmäßig Geburtstage im Lokal. „Wir begleiten viele Menschen durchs Leben“, sagt sie.
Apropos Vorspeisen: Wir starten unseren kulinarischen Aufenthalt in Selbach mit einem Aperitif – Secco Rosé vom Weingut „Von Winning“ in Deidesheim. Prickelnd frisch mit beerigen Aromen. Dazu freut sich meine Begleitung, der Küchenabschnittsgefährte, über ein Schaumsüppchen vom Knollensellerie mit Apfel-Walnuss-Salat und Trüffel. Eine unerwartete Harmonie aus Säure und Süße.

Saisonales Menü im Restaurant Oldenburger Hof

Als ich auf der Speisekarte Burrata lese, ist schnell klar, dass genau dieses Gericht meine Vorspeise wird. Dazu werden ein Tomatentatar, Oliven, Brotchips und Salsa Verde serviert. Eine besonders gelungene Kombination. Ich bin begeistert, wie gut alle Komponenten auf einer Gabel zusammenpassen.

Regionale Küche im Saarland

Ein Herzchen für die leckeren Kartoffeln

Für mich geht die Reise von Italiens Küche weiter nach Österreich, um genauer zu sein nach Wien. Vor mir steht ein wunderschön goldgelbes „Original Wiener Schnitzel“ vom Kalb. Obenauf zwei Zitronenscheiben, dazu auf den Punkt gegarte Karotten, Preiselbeeren und Hofkartoffeln. Diese werden in der Speisekarte exakt beschrieben, denn neben Pommes frites kann man zu seinem Schnitzel auch die etwas ausgefallenere Variante bestellen – eben Hofkartoffeln. Sie werden aus einer alten französischen Kartoffelsorte namens „La Ratte“ zubereitet, im Ofen geschmort und mit Speck, Frühlingslauch und Paprika verfeinert. Direkt beim ersten Bissen zeichne ich in meine Notizen zum Punkt Kartoffeln ein kleines Herz. Mehr bedarf es nicht. Zu meinem ja von Haus aus doch eher salzigen Gericht empfiehlt mir Charlotte Schneider souverän einen Sauvignon Blanc vom Weingut Bernd Schappert an der Nahe. Mit seinen blumigen Noten ergänzt er meinen Hauptgang perfekt.

Weinempfehlung im Oldenburger Hof
Regionales Hauptgericht im Oldenburger Hof

Regionale Küche mit saisonalen Zutaten

Für meine Begleitung darf es heute mal eines der beiden Fischgerichte sein, und zwar Lachsforelle mit verschiedenen Bohnen und einem Ingwer-Aprikosen-Chutney, das wirklich toll zum Fisch passt. Dieser kommt im Übrigen vom „Forellengut Rosengarten“ in Trassem. Regional werden zudem sowohl Spargel als auch Erdbeeren bezogen, vom „Erdbeerland Ernst“ in Heusweiler. Und sobald Wild auf der Karte steht, können sich die Gäste sicher sein, dass dies von „Wildwechsel“ aus Oberthal stammt.

Das Dessert überrascht auf ganzer Linie

Wir schließen unseren kulinarischen und kinderfreien Mittag mit einem Dessert zum Teilen ab, weil wir beide wirklich ordentlich satt sind. Die Inhaberin empfiehlt uns den Milchreis, der gemeinsam mit Mango, Granatapfel, Ingwer, Vanille und Puffreis auf der Speisekarte zu finden ist. Ich habe keine Ahnung, was mich erwartet, und sehe dem Dessert ein wenig skeptisch entgegen. Aber zum Abschluss werde ich ein weiteres Mal überrascht. Die Optik lässt auch bei diesem Gang absolut keine Wünsche offen. Die verschiedenen Texturen dieses Gangs wirken sofort.

Dessert im Oldenburger Hof Selbach
Vermeintlich profaner Milchreis wird hier zum kulinarischen Erlebnis

Obenauf strahlt mich direkt ein essbares Stiefmütterchen an. Daneben eine gelbe, korallenförmige, knusprige Struktur. Dahinter steckt ein Mango-Sponge, einluftiger Mikrowellenbiskuit, der durch seine besondere Herstellung diese fast filigrane Form erhält. Kleine Puffreiskugeln und Granatapfelkerne zieren den Milchreis, der sich ganz unten verbirgt. Aber auch die pinke Sorbetkugel fällt sofort ins Auge.
Milchreis klang für mich zunächst eher langweilig, dieses Adjektiv beschreibt mein Dessert jedoch gar nicht. Im Sorbet verbergen sich Granatapfel und Ingwer, der super mit dem leicht süßlichen Milchreis und der Vanille harmoniert. So bereitet man seinen Gästen auf jeden Fall ein spannendes kulinarisches Erlebnis – toll!

Mein Fazit zum Oldenburger Hof

Wie die Zukunft des „Oldenburger Hofs“ aussehen wird, wissen die Schneiders selbst noch nicht genau. Sicher ist nur: Aufgeben möchten sie nicht. Dafür bedeutet ihnen ihr Beruf zu viel. Sie wollen weiterhin Gastgeber sein, Menschen glücklich machen und Momente schaffen, an die sich ihre Gäste gern erinnern. Die Herausforderung wird sein, genau das auch mit immer weniger Personal möglich zu machen. Denn der „Oldenburger Hof“ ist nicht nur ein Restaurant. Er lebt von den Menschen, die dort arbeiten – und von denen, die immer wieder zurückkehren.

Öffnungszeiten und Adresse vom Oldenburger Hof

Oldenburger Hof
Birkenfelder Straße 1
66625 Nohfelden-Selbach
Telefon 06875-801
info@oldenburgerhof-selbach.de
www.oldenburgerhof-selbach.de
Öffnungszeiten:
Mi. bis Sa. 17.30 bis 21 Uhr, So. 11.30 bis 15 Uhr und 17 bis 20 Uhr
Mo. und Di. Ruhetag
Termine im Oldenburger Hof:
Tea Time mit vorheriger Reservierung am 11. und 12. Juli, 15. und 16. August, 12. und 13. September, 17. und 18. Oktober, sowie an allen Adventswochenenden.
Martinswoche mit festlichem Gänsemenü, ebenfalls mit Reservierung am 11. bis 15. November

Die Printversion gibt’s in FORUM-Ausgabe 28/2026 – und auf der FORUM-Website.